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Musik zur Zeit des Konstanzer Konzils

Habemus papam – rief es am 11. November 1417 aus dem Tor des Konzilgebäudes, nachdem Oddo di Colonna von den Vertretern der anwesenden Nationen zum Papst Martin V. gewählt wurde. Eilig wurden alle Kirchenglocken zum Läuten gebracht, um die Konstanzer Bevölkerung auf die Neuigkeit aufmerksam zu machen. Auf den Straßen dicht gedrängt, verfolgten die Konstanzer den von Gesängen begleiteten Einzug des neuen Papstes ins Münster. Dies ist ein Beispiel für die zahlreichen Anlässe und Begebenheiten des Konstanzer Konzils 1414 bis 1418, bei denen aus allen Winkeln der Stadt bekannte aber auch neue, unbekannte Töne und Melodien erklangen.

Der Chronist Ulrich Richental spricht von 1.700 Spielleuten aller Art, die im Gefolge weltlicher und geistlicher Fürsten nach Konstanz kamen. So zum Beispiel prusuner aus England, pfifer aus Florenz oder singer aus den päpstlichen sowie königlichen Hofkapellen. Musiker verschiedener Herkunft trafen hier aufeinander und machten das Konstanzer Konzil zu einem großen musikalischen Ereignis. Auf den Straßen, in den Trinkstuben und in den Kirchen war die mittelalterliche Musikkultur in all ihren unterschiedlichen Formen und Funktionen zu hören.

Besonders beeindruckt schreibt Richental von der geistlichen Musik, die, wie im Mittelalter allgemein, auf dem Konzil ein wichtiger Begleiter von Messen und Prozessionen war. Zogen die Geistlichen begleitet von Gesang durch die Straßen Konstanz, war das kirchenpolitische Großereignis plötzlich ganz nah erlebbar. Mehrmals am Tag konnte man auch das Läuten der Kirchenglocken hören: zur Vesper, zur Versammlung der Konzilsteilnehmer in das Münster oder wenn es Neuigkeiten gab.

Die weltliche Musik begeisterte den Chronisten Richental auf ähnliche Weise. Zahlreiche Herolde und Pfeifer kündigten mit ihren Blasinstrumenten die Ankunft einer wichtigen Person an, spielten zu Turnieren oder wichtigen Ereignisse wie der Belehnung des Burggrafen Friedrich von Nürnberg mit der Mark Brandenburg. Die viel später angebrachten Wandmalereien am Hotel Barbarossa geben heute noch darüber Auskunft.

Zu geselliger Musik von Troubaduren und Gauklern in Trinkstuben oder öffentlichen Festen lässt sich den Quellen leider nichts entnehmen. Da Musik aber nicht nur Bestandteil des geistigen und adligen Lebens war, sondern auch zum alltäglichen Leben der Bürger gehörte, kann man sich gut vorstellen, wie in den Konstanzer Straßen und Häusern zu Zeiten des Konzils gesungen und getanzt wurde.

Bevor das Konzil zu Ende ging und der festliche Trompetenklang nur noch aus der Ferne zu hören war, setzte der Rat der Stadt Konstanz alles daran, eigene Trompeter halten zu dürfen. Und tatsächlich verlieh ihnen König Sigismund aus Dank für die Gastgeberrolle am 20. Oktober 1417 dieses Privileg. Welche große Bedeutung dies für die Stadt hatte, lässt sich aus der Tatsache, dass Trompeter eigentlich ein fürstliches Ehren- und Repräsentationsmittel waren, erahnen. Der Fanfarenzug Niederburg berief sich bei seiner Gründung 1948 auf dieses Privileg zurück.

Ausschnitt der Fresken auf dem Haus zum Hohen Hafen

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