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Woher kommt denn der Herzog von Wüsse Rüssen?

Richentals Wappen und ihre Funktion

Welch glücklicher Umstand, dass die 1414 bis 1418 in Konstanz ein- und ausgehenden Konzilsteilnehmer, -besucher und -beobachter ihre Wappen an die Häuser anschlagen ließen, in denen sie Quartier bezogen hatten. Ihre Absicht mag eine Art Reservierung und Markierung des eigenen Reviers gewesen sein, die Wirkung war weitaus praktischer: Wappen waren zu Zeiten des Konstanzer Konzils mehr als nur Schmuck oder gesellschaftliches Symbol – sie dienten hier vor allem auch zur Identifikation von Personen und deren Wohnorten, als eine Art „mittelalterliche Hausnummer“. So konnte unter den zahlreichen in Konstanz befindlichen Personen diejenige gefunden werden, die kontaktiert werden musste.

Der Konstanzer Ulrich Richental hat in seiner Chronik nicht nur die Ereignisse des Konzils festgehalten, sondern eine Art Teilnehmerliste angefügt, in welcher er die Wappen der Anwesenden verzeichnete. Allein in der Konstanzer Handschrift sind über 800 Teilnehmer mit ihren Wappen verzeichnet. Leider ist Richentals Urschrift nicht erhalten, in den sechs weiteren illustrierten Abschriften sind teilweise andere Wappen verzeichnet, dafür sind einige aus der Konstanzer Handschrift nicht vertreten. Auch die Sortierung unterscheidet sich. Und nicht alle Wappen sind echt: Es tauchen Fantasiewappen von historischen, biblischen oder neu erfundenen Personen auf, deren Bedeutung bis heute nicht ganz entschlüsselt ist. So ist es recht unwahrscheinlich, dass der Herrscher der Tartaren ­– eine mittelalterliche Bezeichnung der Mongolen – am Konstanzer Konzil teilgenommen hat. Auch ein mittelalterlicher mythischer Regent – Priesterkönig Johannes – wird entgegen Richentals Wunsch nicht in Konstanz gewesen sein. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Richental die Bedeutung des Konzils herausstreichen wollte und vielleicht lagen der Aufzeichnung auch verkaufsfördernde Aspekte zu Grunde.

Unklar ist, ob Richental die Wappen selbst malte, oder ob er sie malen ließ. Welche Wappen waren in der ursprünglichen Handschrift verzeichnet und in welcher Reihenfolge? Welche Wappen sind erfunden, von wem und warum? Welche lassen auf tatsächliche Teilnehmer schließen?

Das Wappenwesen ist wahrscheinlich im 12. Jahrhundert im Zuge der Kreuzzüge entstanden – die Kämpfenden trugen nun Helme, so dass ein Erkennungszeichen notwendig wurde, wollte man nicht versehentlich die eigenen Leute angreifen. Anfangs waren die Wappen noch recht einfach gehalten: verschiedenfarbig, längs- oder quergeteilt, manchmal mit einem einfachen Bild. Je mehr sich das Wappenwesen verbreitete desto ausdifferenzierter wurde die Gestaltung. Bald konnte man nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, wer Träger eines Wappens war. Es entwickelte sich ein eigener Berufszweig, der des Herolds. Dessen Aufgabe war es, seinem Brötchengeber immer sagen zu können, mit wem er es gerade zu tun hatte.

Und heute? Das Wappenwesen hat die Zeiten überstanden, immer noch tragen Städte, Berufsstände und Familien ein Wappen. Eine eigene Wissenschaft, die Heraldik, beschäftigt sich mit der Erforschung von über 800 Jahren Wappengeschichte. Längst sind auf diesem Gebiet nicht alle Fragen geklärt und alle Wappen erschlossen, nicht einmal die der Richental-Chronik. (tr)

Rätselfreunde aufgepasst: Haben Sie eine Idee, wo der Herzog von Wüssen Rüssen denn nun geherrscht haben könnte?
Senden Sie Ihre Antwort doch bis zum 6. Dezember 2011 an Regine Weißinger, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. und gewinnen Sie vorweihnachtliche Preise.

Wappen hängen über den Türen 

Fantasiewappen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo kam er denn nun her, der Hertzog von Wüssen Rüssen?

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