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Fremde Sprachen - neue Sitten

Europa zu Gast beim Konstanzer Konzil

 
Seit Dezember 1413 war bekannt, dass ein Konzil in Konstanz stattfinden sollte. Ob die Konstanzer damals schon ahnten, dass über 70.000 Gäste aus ganz Europa in den kommenden Jahren das Stadtbild prägen würden? Wenig später, im Frühjahr 1414, wurden eine Fremdenverkehrsordnung und die Preise für wichtige Lebensmittel festgelegt.

Der Florentiner Humanist Poggio Bracciolini beschreibt in einem Brief das bunte Treiben in der 6.000 Einwohner großen Stadt zur Konzilszeit: „Man hört hier die verschiedensten Sprachen und kann die Trachten der verschiedenen Völker studieren. Aus Spanien, Frankreich, England, Holland, Dänemark, Pommern, Preußen, Polen, Sachsen, Böhmen, Österreich, Bayern, vielen Reichsstädten und Kronländern sind hier Abgesandte anwesend und noch immer kommen Tausende zu Fuß, zu Pferd oder in Wagen durch die Stadttore von Konstanz.“ 

Ziel der aus allen Himmelsrichtungen angereisten Delegationen war die Beendigung der Kirchenspaltung, aber daneben brachten die meisten der Teilnehmer noch weitere Anliegen an den Bodensee: 

Die schwedische Delegation beispielsweise reiste aus dem hohen Norden an, um die Heiligsprechung ihrer Schutzpatronin Birgitta zu erreichen. Birgitta war zwar schon 1391 heiliggesprochen worden, allerdings waren sich die Schweden wegen der Kirchenspaltung ob der Gültigkeit nicht sicher. 1415 folgte die erneute Heiligsprechung durch Johannes XXIII., der allerdings kurze Zeit später abgesetzt wurde. Schlussendlich wurde Birgitta 1419 von Papst Martin V. ein drittes und letztes Mal kanonisiert. 

Viele der anwesenden Gelehrten nutzten ihren Aufenthalt am Bodensee dazu, in den zahlreichen Klosterbibliotheken der Bodenseeregion nach verschollen geglaubten Werken der Antike zu suchen – nicht selten nahmen sie die Bücher nach Ende des Konzils wieder in ihre Heimat mit. Anderes aber blieb in Konstanz: Die dünnen Fladenbrote, die italienische Bäcker mit Singvögelbrüstchen und Gewürzen belegten, sind heute in der Region noch als Dünnele bekannt und beliebt. 

Einige der von weit her angereisten Teilnehmer wurden nicht sehr herzlich in Konstanz empfangen: Die ungarischen Reiter von König Sigismund wurden außerhalb der Stadttore im vorgelagerten Peterhausen untergebracht, da die Konstanzer Angst vor den auf sie wild wirkenden Ungarn hatten. 

Wie sich ein Ungar mit einer Konstanzerin auf dem Markt beim Kauf von Fleisch und Gemüse verständigte, wissen wir nicht. Mit Sicherheit aber kamen nicht alle der Lebensmittel, die auf dem St.Stephansplatz angeboten wurden aus Konstanz: Die ganze Region half bei der Versorgung der Konzilsteilnehmer mit, Fische wurden zusätzlich vom Gardasee angeliefert, Weine aus Italien und dem Elsass. 

Wer auf dem Markt mit seinen Sprachkenntnissen nicht weiterkam, hatte im Münster beim Beichten mehr Glück: Die kirchlichen Vertreter ließen im Münster zwölf mit Schildern gekennzeichnete Beichtstühle aufrichten, in denen man in verschiedenen Sprachen Vergebung erlangen konnte.

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